Diskussion Beratungsaspekte - Beziehung

Diskussion Beratungsaspekte - Beziehung

Beitragvon lisaemmett am 10 Mai 2017, 15:53

Liebe Kollegen,

Auf Ihren Wunsch hin haben wir hier einen Ort geschaffen, der es uns möglich macht uns intern sowohl organisatorisch als auch fachlich auszutauschen. Um den fachlichen Austausch anzuregen haben ich und Frau Dr. Stetina uns überlegt als Diskussionspunkt den zentralsten Aspekt einer Beratung – die Beziehungsgestaltung - in das Forum einzubringen und freuen uns über Ihre Anregungen und Erfahrungen.

Einleitend möchten wir uns auf Sachse (2006) beziehen, der beispielsweise von einem Beziehungskredit spricht. Sachse ist der Überzeugung, dass es eine Voraussetzung darstellt eine vertrauensvolle Behandler-Patient Beziehung zu etablieren um auf dieser Basis Interventionen (Psychoedukation, Konfrontation, etc.) umzusetzen. Erst wenn dieser Beziehungskredit genügend aufgeladen und die professionelle Beziehung somit tragfähig ist kann ein Behandler den Patienten beispielsweise mit unangenehmen Themen konfrontieren. Nach der Konfrontation verbraucht der Professionist zum Beispiel Punkte des beschriebenen Kredits oder es kommt im schlimmsten Fall zu einem Beziehungsabbruch, da der Beziehungskredit zum Zeitpunkt der Konfrontation nicht genügen aufgeladen war. Somit sollte insbesondere nach einer Konfrontation wieder verstärkt an der Beziehung gearbeitet werden um den Kredit für die nächste Intervention wieder aufzuladen.

Nun möchten wir die Diskussion eröffnen in dem wir Ihnen die Frage stellen wie Sie konkret an der Beziehungsgestaltung mit Ihren Klienten arbeiten und welche Erfahrungen Sie hierbei gemacht haben?

Wir freuen uns auf einen kollegialen Austausch.

Mit freundliche Grüßen,
Birgit U. Stetina und Lisa Emmett
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Re: Diskussion Beratungsaspekte - Beziehung

Beitragvon BirgitDorninger am 27 Jun 2017, 21:08

Liebe KollegInnen!

Mein dritter Versuch hier einen Eintrag zu schreiben, irgendwie haben sich die beiden vorherigen noch im Schreiben von selbst gelöscht.....

Meine Antwort zu diesem Thema ist eigentlich eine weitere Frage:
Nämlich wie diese Beziehung aufbauen mit KlientInnen, die sehr starr in einer KlägerInnen-Rolle stecken?

Aktuell beschäftigt mich eine Klientin, die sehr klagend ist. WIrklich in einer ganz belastenden Situation ist. Die auch im Moment nicht in der Lage ist, auf Beziehungsangebote meinerseits - Fragen, Anregungen, Spiegeln, Wertschätzen..... - einzugehen. Ich bin als ihr Gegenüber anscheinend kaum vorhanden, Gleichzeitig schreibt sie oft und viel (mit vielen Wiederholungen, Klagen).
Mein Gefühl ist bei dieser Klientin, dass das Schreiben ihr eigentlich mehr schadet als hilft. Weil es ihre negativen Beschreibungen mit jedem Niederschreiben weiter verfestigt und fixiert, als es aufzuweichen. Gleichzeitig ist sie im Moment nicht bereit dazu, sich HIlfe vor Ort, also f2f zu suchen. Das schaffe sie nicht. - Und ich denke eben auch dieser fehlende Beziehungsvorschuss verhindert es, dass ich mit ihr darüber wirklich sprechen kann.

Ideen, Erfahrungen dazu? - Alles ist hilfreich!

Liebe Grüße
Birgit
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Re: Diskussion Beratungsaspekte - Beziehung

Beitragvon lisaemmett am 30 Jun 2017, 17:50

Liebe Frau Dorninger,

Ich freue mich sehr über Ihren Beitrag.
Genau dafür wurde dieses Forum hier geschaffen, nämlich um einen kollegialen Austausch zu ermöglichen.

Ich hoffe es ist in Ordnung wenn auch ich meine Ideen dazu hier niederschreibe..
Das hört sich nicht einfach an. War es Ihnen schon möglich den Fokus auf vorhandene Ressourcen bzw. was trotz dessen positiv ist zu lenken?
Es klingt für mich zudem so als wäre schon ein Beziehungsaufbau gelungen, sodass es der Klientin möglich ist genügend Vertrauen für das Aussprechen der Klagen (negativen Gedanken) aufzubringen...

Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung und wünsche ein schönes Wochenende.

Liebe Grüße,
LE
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Re: Diskussion Beratungsaspekte - Beziehung

Beitragvon NadjaWeltzien am 06 Jul 2017, 09:51

Liebe Birgit Dorninger,

ich habe jetzt erst den Eintrag gesehen. Hat sich denn in der zwischenzeit schon etwas verändert? Ich bin drauf gekommen, dass es mir manchmal hilft das Gespräch etwas mehr zu 'lenken' und ich nutze dafür gerne die Psychoedukation als Hilfsmittel weil ich dadurch gut rechtfertigen kann dass ich (für die Klientin) komplett vom Thema abweiche. Also zum Beispiel:" Heute möchte ich Ihnen etwas ausführlicher über das Thema "Ressourcen"/ oder das Thema "Gedankenkreisen" /oder "...." erzählen... Welche Gedanken haben Sie zu dem Thema?" Und manchmal gelingt es mir dann so auch einen anderen Aspekt als nur das eine (eingefahrene) Thema rein zu bringen bzw. kann ich dann im späteren Verlauf wieder darauf zurück lenken. Aber vermutlich haben Sie das sowieso schon selbst probiert in diesem Fall. Hmm was passiert wenn Sie der Klientin ihre Sorgen, dass sich das Schreiben für Sie nachteilig auswirken könnte, mitteilen?
Liebe Grüße und danke für's Beleben des SupersisionsThema :-),
Nadja Weltzien
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Re: Diskussion Beratungsaspekte - Beziehung

Beitragvon BirgitDorninger am 20 Jul 2017, 13:10

Liebe Frau Emmett, liebe Frau Weltzien,

danke für Ihre Rückmeldungen! Tatsächlich bin ich noch dran und sehe es als Erfolg, dass der Kontakt zur Klientin noch besteht und es auch langsam und schwierig und zäh aber doch "Erfolge" in Gestaltung der Beratungsbeziehung gibt, wie zB dass sie mich mit Namen anspricht und damit etwas mehr in Kontakt mit mir (und wahrscheinlich auch mit sich selbst) kommt.

Vieles liegt denke ich an meiner "Einsicht" dass es noch gar nicht ums Lösungsansätze gehen kann, sondern ums Verstehen und Aushalten. Interessanterweise fällt mir das in diesem Falle online schwerer als in f2f-Kontakten.

Wie auch immer, danke nochmal und liebe Grüße
Birgit
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Re: Diskussion Beratungsaspekte - Beziehung

Beitragvon pottel2 am 13 Jun 2019, 18:46

Hallöchen!
Ich wollte euch mal eine Seite zeigen.
Dort kann man vielleicht in manchen Fällen Dinge bestellen die die Beziehung wieder aufpäppeln!
Also wenn ihr wollt, schaut da https://peitschenbaer.de/allerlei/.
pottel2
 
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